Jakobuskirche Hohenberg ist 125 Jahre alt

Am Samstag, dem 26. September 2020 sind es auf den Tag genau 125 Jahre, dass der damalige Bischof von Rottenburg, Wilhelm von Reiser, die Jakobuskirche auf dem Hohenberg geweiht hat. Da derzeit keine großen Jubiläen möglich sind, wird an diesem Gedenktag der Sonntagvorabendgottes­dienst im Rahmen des diesjährigen Erntedankfestes begangen. Es ist dies auch die letzte samstäg­liche Eucharistiefeier mit Pfarrer Martin Danner; eine Woche später wird er nach 15 Amtsjahren offiziell nach Oberdischingen verabschiedet.

Egal aus welcher Richtung man sich dem Hohenberg nähert, schon von weitem wird die    569m hohe Kuppe über den Wäldern des westlichen Virngrunds sichtbar. Auf zahlreichen Prospekten, in vielen Flyern und auf ungezählten Webseiten finden sich Fotos seiner Jakobuskirche, dem markan­ten neuromanischen Kirchenbau mit seinem 29m hohen Turm.

Die Ellwanger Oberamtsbeschreibung von 1886 beschrieb den Hohenberg und seine (alte, also den Vorgängerbau der jetzigen) Kirche so: „Einsam schön steht dieses altersgraue Heiligthum auf der stillen hochgelegenen, fast unbegrenzte Umschau gewährenden Kuppe des als eine sanfte Pyramide aus der Waldgegend leicht und beherrschend aufsteigenden Hohen­berges.

Weniger pathetisch liest sich dagegen ein Bericht im „Archiv für christliche Kunst“ von 1895: „Die alte Kirche auf dem Hohenberg bot in der letzten Zeit ihres Bestehens keinen schönen und erfreulichen Anblick mehr“. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr der Kirchenbau zahlreiche Veränderungen, zuletzt überspannte ein riesiges Dach das Längs- oder Mittelschiff und das nördliche Seitenschiff; der erste Turm wurde 1428 nach einem Blitzschlag nicht wieder aufgebaut. Insgesamt war die Jakobuskirche in den 1890er Jahren unansehnlich und baufällig geworden.

Die heutige Jakobuskirche stammt aus dem Jahr 1895. Damals wurde sie grundlegend renoviert, teilweise neu aufgebaut und ein neuer Turm aufgeführt. Architekt war Josef Cades (1855-1943), ein typischer Vertreter des Historismus. Er ließ das Langhaus (westlicher Teil ab dem Querschiff) abreißen und errichtete auf den alten Fundamenten den heutigen neuromanischen Kirchenbau mit einem Längsschiff und zwei Seitenschiffen, die in einer Hauptapside und zwei Nebenapsiden enden. Mit dem Querschiff und dem Längsschiff ergibt sich der für die Romanik typische Kreuzgrundriss.

Im Innern der Kirche erinnert der Taufstein mit den Resten alter romanischer Bemalung im südlichen Querschiff an die erste Kirche aus der Gründungszeit. Von diesem alten Kirchenbau ist das Tympanon über dem Nordportal und ein kleiner staufischer Löwe über der Hauptapside erhalten geblieben. Aus der späten Barockzeit stammen die beiden geschnitzten Beichtstühle im nördlichen und südlichen Querschiff und die Figur des Kirchenpatrons Jakobus beim Ambo an den Altarstufen. Vom Vorgängerbau vor 1895 ist die alte Kanzel erhalten. Sie trägt noch die Bemalung der damaligen Zeit. Johann Georg Loosen (1846-1914), ein bekannter Kirchenmaler des Historismus, hatte diese Bemalung im Stile der Neuromanik ausgeführt.

Das heutige Kircheninnere stammt von einer Renovierung von 1956/57 und aus den Jahren 1975-95, als der Malerpfarrer und Seelsorger von Hohenberg, Sieger Köder, mit seinen 28 Bildfenstern aus dem Alten und Neuen Testament der neuromanischen Kirche wieder das geheimnisvolle Dunkel der alten Romanik zurück gab. 2015 wurde das Kircheninnere komplett neu gestrichen und die hölzerne Decke gegen Holzwurmbefall geschützt.

Die Jakobuskirche auf dem Hohenberg ist seit 1999 ein Zwischenziel des Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweges von Würzburg nach Ulm. Sieger Köder hatte ihn angeregt, nachdem er die Jakobusverehrung auf dem Hohenberg für sich entdeckt hatte und ihn in den 20 Jahren seines Wirkens auch mehrfach bis ins spanische Santiago de Compostella gegangen ist.

Zum Kirchenjubiläum ist 2020 ein neuer Kirchenführer erschienen, der auf 50 Seiten ausführlich auf den Kirchenbau, seine Ausstattung und die Bildfenster eingeht und auch die anderen Kunstwerke von Sieger Köder in der Umgebung der Jakobuskirche beschreibt. Er ist am Schriftenstand in der Jakobuskirche erhältlich.

Hermann Sorg